Chemnitzer Wandersportverein e.V.

28. Juli 2007

Rusalka, ein lyrisches Märchen?

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Eigentlich nicht, sondern eine alltägliche Geschichte. Eine junge Frau verlässt ihre vertraute Umgebung und folgt einem attraktiven Man in die Fremde. Die Liebe dauert nur eine kurze Zeit, dann wendet sich der Mann einer anderen zu. Dazu kommt, dass sich die Menschen ihrer Umgebung negativ oder positiv in ihre Probleme einmischen. Zurück aber kann sie nicht. Sie kämpft, aber diesen Kampf bezahlt ihr Geliebter mit dem Leben. Rusalka ist übrigens kein Eigenname sondern bedeutet „Nymphe“.

Jaroslav Kvapil (1868-1950), seinerzeit Chefregisseur des Prager Nationaltheaters folgte den Spuren des Undine-Märchens und machte daraus eine Operndichtung. Dabei tauchte er das Ganze in eine ausgesprochen böhmische Landschafts- und Märchensphäre. Antonin Dvorak (1841-1904),
der im Moldautal, nördlich von Prag aufwuchs, schuf 1900 dazu die Musik. Wen wundert es da, das diese Musik einen tiefen, böhmischen Ursprung hat.

Es ähnelte eher einer Fahrt zu einer Wanderung, denn zu einem Opernbesuch, als sich die über 40 Mitglieder unseres Vereins am Treffpunkt einfanden, um nach Loket (Ellenbogen) zu fahren. Die Tatsache, dass sie ja eigentlich auch eine waren und dass sie zu einer Freiluftveranstaltung fuhren, rechtfertigte aber das umfangreiche Gepäck, welches sie mitführten. Da das Wetter schön war, konnte man die Fahrt durch das Erzgebirge genießen.

Loket, die Stadt auf einer Halbinsel von 4oo m Breite und etwa 500 m Länge liegt wie ein angewinkelter Ellbogen in einer Schleife der Ohre. Ihr Ursprung geht auf das 12. Jahrhundert zurück. Wir hatten Zeit, sie zu durchqueren. Kirche und Burg sind noch aus dem 12.Jahrhundert. Die meisten Gebäude stammen aber aus dem 17. Jahrhundert und sind dem Barock zuzuordnen. Die Mehrzahl von ihnen sind instandgesetzt und bilden eine schöne Kulisse. Zu unserer Überraschung sang vor dem Trinity Denkmal auf dem Marktplatz ein deutscher Männerchor.

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Zum Amphitheater mussten wir die Ohre überqueren. Es liegt in einer Auenlandschaft. Das Halbrund ist bestimmt natürlichen Ursprungs. Vor sich hat man den Fluss und am anderen Ufer die auf einem hohen Felsen stehende Burg, zu der ein steiler Hang führte. Vor dem Uferweg steht eine hölzerne Bühne mit einem Orchestergraben. Es ist schon eine malerische Kulisse, die einem Besucher imponieren kann. Ein Wermutstropfen, die Mehrzahl der Sitzplätze besteht aus einfachen Holzbänken mit viel zu kurzer Sitzfläche und steilen Lehnen. Da ist man in den Pausen immer froh, wenn man aufstehen kann.

Die Bühne ist aber nur ein Teil der Spielfläche. Für die Wiedergabe der Oper wurde die gesamte Umgebung mit einbezogen. Wir hatten Glück, dass wir auf der linken Seite saßen, von der aus die meisten Auftritte erfolgten. Die Darsteller hatten weite Wege zu nehmen und vor allen Dingen Rusalka musste viel laufen. Durch eine geschickte Ausleuchtung, in die sogar die Fassadenbeleuchtung der Burg mit eingebunden war, wurden abwechslungsreiche Stimmungen erreicht. Zahlreiche Effekte verstärkten diese. Um die Dramatik im dritten Akt zu verstärken, spielte sogar der Himmel mit. Er weinte erst leise, dann aber immer mehr und begleitete den Auftritt der Hexe mit grellen Blitzen.

Es störte nicht, dass die Aufführung in der Landessprache erfolgte. Kerstin und Jürgen Müller hatten alle mit einem Auszug aus dem Opernführer versorgt, so das jedem die Handlung bekannt war. Außerdem wurden auf einem Display an der rechten Seite die deutschen Texte eingeblendet.

Es gab auf der Rückfahrt nur positive Äußerungen zur Aufführung. Auf jeden Fall war es für alle ein Erlebnis der besonderen Art. Übrigens, die mitgenommenen Sachen, sind alle zum Einsatz gekommen.

Joachim